Sonntag, 3. August 2008

Hanno und ich im estnischen Fernsehen!!!

... auch wenn ich verkleidet bin: Hanno war der einzige Rappe!

Urlaub mit Hanno und Strandschönheit gleich zu Beginn (leider nicht mit der Originalmusik), später spannende Stierkampf-Szenen!

Im Interview rufe ich sowohl den Landwirtschaftsminister als auch die Politiker Estlands auf, ihre Pflicht zum Erhalt dieses traditionellen Kulturguts "Tori-Pferd" ernst zu nehmen und nicht nur das zu bearbeiten, was ihnen Spaß macht. Desweiteren erkläre ich, daß das Tori-Pferd alten Schlages sehr vielseitig ist, nicht nur Wagen ziehen und Felder bearbeiten kann, sondern durchaus auch mit schönem Zubehör und gutem Reiter in praktisch jeder Sparte eine gute Figur macht.

Hanno - ein ausrangiertes Reitschulpferd lernt genießen

Hanno heißt eigentlich Handor und kam Anfang Juni 2007 nach Hargo Talu. Der Reitschulbetrieb, in dem er stundenlang seine Arbeit tat, löste sich auf, den dämpfigen Wallach, dessen Vorderbeinen man das viel zu viele Springtraining ansieht, wollte keiner. Auf Hargo Talu war Platz für ihn, hier fand er ein neues Zuhause.

Hanno - ein imposanter Rappwallach, seinem Vater Heigo praktisch aus dem Gesicht geschnitten, allerdings eben durch den Reitschulbetrieb abgestumpft und stur geworden. Nur mit Hengstgebiß und zwei Personen konnte er auf die Koppel geführt werden und selbst das war oft problematisch. Trotzdem bereute ich es keine Sekunde, den ruhigen, zuverlässigen Wallach aufgenommen zu haben.

Bereits Mitte Juli, als eine kleine Pferdeshow speziell für die schweren Tori-Pferde am anderen Ende Estlands abgehalten wurde, waren wir dabei - ich hatte ihn genau 4 x vorher geritten, traute uns beiden das bißchen Schritt und Trab mit dem spanischen Sattel durchaus zu. Schwerer hatte es meine Freundin Moni, die als stolze Sevillanerin im weißen Kleid hinter dem Sattel thronen sollte: eine Generalprobe von 5 Minuten mußte ausreichen! Hanno war aber durch nichts aus der Ruhe zu bringen und trug uns Leichtgewichte mühelos. Wir wagten es...

Ein schwerer, mit 1.73 m Stockmaß riesiger Tori-Wallach als Spanier - Hanno schien nichts dagegen zu haben und unsere Auftritte waren ein voller Erfolg. Sogar zu Galopp konnte ich ihn überreden und er machte tapfer mit. So gut, daß wir auf der estnischen Rassetier-Ausstellung wieder auftraten, dieses Mal im Landwirtschaftsmuseum in einem romantischen Gutspark.

Danach hatte Hanno erst einmal eine lange, lange Winterpause und erst Ende Juni begann ich wieder, mit ihm zu arbeiten. Ich fing ganz von vorne an und tatsächlich hatte ich Erfolg: Hanno wurde motivierter, merkte, daß er schon nach 10 Minuten zum Grasen geschickt wurde und kam freiwillig mit zum Reitplatz. Erst nach einer Woche an der Longe wurde er gesattelt und ich staunte über seine Wandlung. Hanno war leicht zu lenken, endlich auch unter dem Sattel entspannt und so hatte ich einige Ideen, für die wieder im Juli stattfindenden Tori-Pferde-Show.

Hanno sollte zum einen natürlich wieder seine Senorita hinter dem Sattel tragen, ein Auftritt, der wohl unser Markenzeichen wird. Aber der zweite Auftritt stand ganz im Zeichen von Sonne, Sommer, Strand - die von mir angebetete Schönheit erst desinteressiert, schließlich mich heranwinkend, ich küsse ihre Hand und schließlich schwingt sie sich hinter mir aufs Pferd - das Publikum tobte! Sofort stand das estnische Fernsehen bereit und interviewte mich sofort noch im Kostüm. Umso schneller mußte Hanno danach von seinen Blumengirlanden befreit werden, ich stieg ins Torero-Kostüm.



Meine Carmen im weißen Kleid reichte mir die Spieße und im Galopp zielte ich auf die Heupacks, die den Stier ersetzten. Hanno war unschlagbar, galoppierte zielsicher und ruhig, verlor auch dann die Fassung nicht, als ich mich weit aus dem Sattel beugen mußte. Wir hatten nur vier Mal geprobt... in jeder Hand ein verzierter Spieß und im Galopp, ohne Zügel, auf die Heupacks zu. Ich hielt die Spieße rechts, wie wir es geprobt hatten - Hanno aber entschied sich anders! Schnell schwang ich die Spieße nach links und schaffte es, im Galopp zuzustechen! Die Spieße blieben stecken! Als ich die Aufnahme später im Fernsehen sah, war ich begeistert von Hannos Sicherheit - und entschied, diese Nummer kein zweites Mal zu reiten. Nicht wegen Hanno - sondern weil es so gut wahrscheinlich nie mehr klappen würde...

Hanno wurde aber nicht nur im Training besser, sondern vor allem anhänglicher. Nach dem Training durfte er noch grasen, meist ohne Halfter. Und so ergab sich eines Tages, daß er auch vollkommen frei mit zurück zu seinem Unterstand kam. Später ging er zielstrebig alleine.

Hanno hat mit anderen Pferden große Probleme, er läßt sich jagen und beißen, weder wehrt er sich noch läuft er weg - und lebt daher alleine, was ihm erstaunlicherweise sichtlich gut tut. Leider hat sein Auslauf keine eigene Koppel und eines Tages war der Reitplatz nicht mehr wirklich ergiebig.

Und gestern Abend versuchte ich es - ich ließ Hanno einfach frei. Führte ihn zu einer schönen saftige Stelle und ließ ihn allein. Einige Stunden später fand ich ihn hinter den Fichten, er kam sofort auf Zuruf zu mir und folgte mir zum Unterstand.... und heute ist er seit Stunden einfach frei unterwegs und grast.

Diese Veränderung freut mich so sehr, daß ich sie mit den Freunden von Hargo Talu einfach teilen möchte.