Montag, 17. Juni 2019

Durchwachte Nächte und neue Hofbewohner

Der Unfall konnte mich wie erwartet kaum von meinen vielen Arbeiten und Verantwortlichkeiten abhalten und kaum war das Schlimmste überstanden, hatte ich wieder alles im Griff. Erstaunlich schnell war ich wieder gut zu Fuß und die Hofbewohner wurden natürlich alle bestens versorgt und verpflegt. 

Nun stand die Jahreshauptversammlung des Alt-Tori Zuchtverbands an und als erste Vorsitzende hatte ich den Termin sorgfältig vorbereitet. Für mich als Gründerin des Zuchtbuchs und Leiterin des immerhin EU-anerkannten Zuchtverbands eine sehr wichtige Aufgabe, zeigt sie doch, wie gut sich unser Pferdebestand entwickelt, welche Perspektiven wir haben und welche Öffentlichkeitsarbeit wichtig ist. Wie wir festhalten konnten, werden die Alt-Tori Pferde immer bekannter und haben einen sehr guten Ruf, was sich sowohl durch beständige Nachfrage als auch positive Rückmeldungen der Pferdekäufer sehr deutlich zeigt.


Da meine Ziege Milla mit 16 Jahren und Arthrose wohl nicht mehr lange auf Hargo Talu leben wird, stand ich vor der Entscheidung, ob ich überhaupt noch Ziegen halten wollte - es ist ja doch für meinen Ein-Frau-Betrieb eine zusätzliche Arbeit, natürlich haben auch kleine Tiere ihre Ansprüche und ein Recht auf Lebensqualität. Auf die Anfrage einer Bekannten, die aus Gesundheitsgründen die Ziegenhaltung aufgeben mußte, reagierte ich dann doch recht spontan und so zogen bei der alten Ziege Milla zwei Gefährtinnen ein: eine rehbraune milchgebende Ziege und ein schwarzgeflecktes Gesellschaftsdämchen. Die zwei sind deutlich kleiner und neugieriger als Milla und noch müssen sich alle drei aneinander gewöhnen, laufen nicht frei auf dem Hof herum, aber das ist nur eine Frage der Zeit. Die Entscheidung war jedenfalls richtig: ich habe meinen Spaß an den lebensfrohen Neulingen und die Milch ist einfach nur lecker.

Und schon begannen die Nachtwachen, bei Leni wurde das Euter sichtlich größer, die Rundung ihres Fohlenbauchs schien sich nach hinten zu verschieben und es sollten 19 Nächte folgen, in denen ich nicht durchschlafen konnte. Alle 2 Stunden war ich draußen, in den milden Juninächten durchaus in der Pyjamahose, immer sofort von der ganzen neugierigen Herde erwartet. Am hellviolett blühenden Fliederbusch vorbei, in dem ein unermüdlicher Zaunkönig in erstaunlicher Lautstärke sein Liedchen schmetterte. Es waren trotz meiner Müdigkeit herrliche helle Nächte, in denen der riesige hellgraue Bartkauz lautlos und gespenstisch über die hinteren Koppeln strich, immer wieder die Kraniche riefen, der Duft von Heu und Gras und Frühling in der warmen Luft stand.

Endlich am 8. Juni frühmorgens war es dann soweit - ich kam um 3 Uhr zur Kontrolle und das Fohlen lag unter freiem Himmel im weichen Heu, Mutterstute Leni umkreiste es unruhig, es war ihr erstes Fohlen. Vorsichtig rieb ich das Fell mit einem Heuwickel ab, um die Blutzirkulation anzuregen, unterstützt wurde ich von der besorgten Leni, die mit ihrer riesigen Zunge gleich auch sorgfältig meinen Arm saubermachte. Als das karamellfarbene kleine Stütchen nach einigen Aufstehversuchen sicher auf den wackligen Beinen stand, lotste ich die beiden in den Unterstand. Etwas abgeschirmt von der Herde konnten sich Mutter und Tochter besser aneinander gewöhnen und ich kümmerte mich sofort um das erste Saugen, die erste Milch ist für das Fohlen lebenswichtig. Immer wieder drehte sich Leni nach dem Fohlen um und machte so die Suche nach den Zitzen schwierig, ich mußte sie schließlich anbinden, um das Fohlen zum Euter bringen zu können und nun war ganz schnell die Milchquelle gefunden. Aufmerksam lauschte ich dem lauten Schmatzen und Schlucken, um abschätzen zu können, ob das kleine Tierchen genug Milch bekommen hatte. Ausgiebig trank das winzige Stütchen, immer wieder verlor sie die Zitze und suchte eifrig erneut. Schließlich plumpste sie erschöpft ins Heu und ich konnte die inzwischen viel ruhigere Mutterstute Leni losbinden, sie stellte sich halb über ihren Nachwuchs und döste. Noch einige Male kontrollierte ich, ob das Fohlen selbständig trank und schließlich konnte ich sicher sein, daß wirklich alles in Ordnung ist.

erst einen Tag alt und schon neugierig
Inzwischen etwas über eine Woche alt, ist aus dem kleinen staksigen Fohlen eine sehr aktive, lebendige und etwas freche junge Dame geworden, die auch schon im Heu herumwühlt aus dem Futtertrog der Mutter stehlen will. Sie entwickelt sich hervorragend und ich bin froh, die vielen halbdurchwachten Nächte hinter mir zu haben. Die Suche nach einem passenden Namen war schnell erfolgreich: Veruschka heißt die kleine Schönheit.



Nun aber warten viele Arbeiten auf mich, die ich wegen der Fohlenwache nicht erledigen konnte, auch wenn ich mich zwischendurch wirklich wunderte, mit wie wenig Schlaf ich auskomme - irgendwann war ich einfach nur noch müde und so blieben hier und da kleinere Dinge liegen, mußten verschoben werden, standen an. So werden wohl die wartenden Zaunpfosten bald in Angriff genommen und alle Koppelzäune erneuert, ein riesiges Unternehmen auf fast 20 Hektar, das schon in den letzten 2 Jahren etappenweise vorangebracht worden war und hoffentlich große Fortschritte machen würde. Jetzt ist die kleine Veruschka da, jetzt kann es losgehen!





Dienstag, 7. Mai 2019

Frühlingsregen und Zwangspause und ein Abschied...

Endlich regnet es und innerhalb weniger Tage wurden die Birken zu hellgrünen Wolken, duftete der Giersch rund ums Haus und ich lege eine kleine Pause ein, um von Hargo Talu zu berichten. Die Pause ist nicht ganz unfreiwillig, aber davon später.

Zuallererst stand die riesige Pferdemesse in Tampere an - mein kleiner knallrosa Stand würde dieses Mal richtig ins Auge stechen, hatte ich doch neue Rückwände bestellt und wollte auch einige neue Ideen umsetzen. Dieses Mal fuhr ich ganz alleine, die sehr plötzliche Absage meiner Helferin, für die ich ja sogar ein Hotelzimmer gebucht hatte, hatte mich doch ziemlich getroffen. Aber vor Ort wartete schon Eeva auf mich, kurz darauf kamen Heli und Leeni und blitzschnell war der bis unters Dach millimetergenau beladene Kleinbus ausgeräumt und der Stand aufgebaut. Mit so motivierten und fröhlichen Helfern war auch die Messe und der zeitweilig unbeschreibliche Andrang leicht zu meistern - und als plötzlich der Besucherstrom abriß, war die Veranstaltung auch schon zu Ende. Ein voller Erfolg für meine kleine Firma!

Zurück in der Waldeinsamkeit und bei den Pferden schöpfte ich wieder Ruhe. Eeva war aus Tampere mitgekommen und ihre ruhige Art und ihre praktische Hilfsbereitschaft halfen beim Einleben. Doch irgendetwas fehlte... Zur Fütterung tauchte Katinka nicht wie gewohnt im Speicher auf, laut schnurrend und maunzend ihr Döschenfutter einfordernd. Irgendetwas an ihrem Fehlen stimmte nicht. Wir suchten und riefen.

Katinka 2015 - ein winziges Kätzchen
Ich mußte daran denken, wie vor fast 4 Jahren mein Hund Pauline vor der Scheune wachte und ein winziges, weghuschendes, abgemagertes Kätzchen gefunden hatte. Sofort brachte ich Katzenfutter und beobachtete mit einigem Abstand, wie hungrig dieses kleine Tierchen alles verschlang. Erst später sollte ich entdecken, daß Katinkas Unterkiefer deutlich verkürzt war und sie wohl ohne Paulines Entdeckung in Kürze verhungert wäre. Sie war sehr scheu, aber schon nach wenigen Tagen wartete sie vor der Scheune, strich um "ihre Pauline", maunzte und schnurrte. Ihr prüfender Blick wurde freundlicher, auch ich wurde irgendwann umschnurrt. Nie wollte sie ins Haus, sie hatte ihre Nester auf dem Heuboden.

Katinka an der Speichertüre


Und immer wartete sie im Speicher auf mich... Ich weiß nicht, wie alt Katinka war, als sie auftauchte, aber ich weiß, daß sie ohne Pauline diese Jahre hier auf dem Hof nicht hätte erleben können. Und so hatte sie doch ein schönes Katzenleben mit vielen Mäusen (die sie für mich säuberlich aufreihte) und ihren Freiheiten. Nun ist sie ganz sicher im Tierhimmel und umschnurrt Pauline - dieser Gedanke tröstet mich...








Auf dem Hof machte sich der Vorfrühling bemerkbar, wenn auch das Grün noch auf sich warten ließ, kamen herrliche sonnige Tage, die Hühner konnten nun nach draußen und genossen erste Staubbäder und winziges frisches Grün, die Pferde standen träge blinzelnd in der Wärme und das wollige Fohlen wurde selbständiger, entfernte sich von Mutter Heliade, ärgerte Leni - und endlich war der richtige Name gefunden: Lesja. Ein Souvenir meiner letztjährigen Ukraine-Reise, die Dichterin Lesja Ukrainka hatte in der kleinen Stadt gelebt, in der ich übernachtete.



Und wenn alles läuft, erste Pläne geschmiedet werden, Arbeiten vorbereitet und geplant, dann spuckt einem das Leben in die Suppe. Ein nächtlicher Unfall, ein scheuender Hengst, ich unter den Hufen, nicht fähig aufzustehen, zitternd, nach Luft ringend... und mußte doch zum Wasserhahn, das Wasser lief noch... irgendwie kam ich an, irgendwie brachte ich die Eimer in den Speicher, irgendwie schaffte ich es ins Haus. Die Knochen waren ganz geblieben, die eine Rippe stach, ich kühlte das rechte Bein, konnte selbst kaum hinsehen. Der Schock half mir, Schlaf zu finden. Mir war klar, daß mir nun schwierige Wochen bevorstehen würden. Die Schmerzen waren auszuhalten, ich war zwar ständig müde, das Gehen ging aber mit jedem Tag besser und ich staune, wie ich die Pferde trotzdem so gut versorgen konnte. Natürlich wird die Heilung noch längere Zeit in Anspruch nehmen, aber diese Zwangspause ist nicht nur schrecklich und schlimm. Man schätzt seine Gesundheit, seine Unversehrtheit mit einer anderen Dankbarkeit und mir hilft immer, eisern vorwärts zu schauen. Wenn in 3 Wochen Lenis erstes Fohlen kommt, bin ich ganz sicher wieder richtig gut zu Fuß.








Freitag, 29. März 2019

Manchmal ist es einfach ein bißchen viel auf einmal...

Nun hatte es mich doch erwischt. Eine richtig böse, gemeine, schmerzhafte Erkältung, die sich dann auch noch für eine Woche bei mir einnistete. Und das kalte, windige Immer-noch-Winter-Wetter eignete sich wenig, um gesund zu werden. Während ich hustete und schniefte und die Nächte mit Minusgraden aufwarteten, schien Heliades Bauch immer seltsamere Formen anzunehmen. Der Unterstand wurde mit goldgelbem Haferstroh ausgepolstert und schließlich war die erste Nachtwache angesagt, Erkältung hin, Erkältung her.

Zur Abendfütterung zwei Tage später blieb Heliade aus. Mir war sofort klar, was zu tun sein würde, schnellstens fütterte ich den Rest der Herde, sperrte sie in den Unterstand und rannte zum Heuplatz. Die Vorderbeinchen waren schon da, alles sah gut aus, also zog ich mich wieder zurück, viele Pferde möchten bei der Geburt nicht beobachtet oder gar gestört werden und bisher waren Heliades Geburten immer sehr gut verlaufen. Ich fütterte und tränkte weiter, bei der nächsten Kontrolle lag das Fohlen schon im Heu und ich entfernte vorsichtig die Eihäute. Ein gar nicht so kleines Füchschen mit breiter Blesse. Wieder ließ ich Mutter und Fohlen alleine, rief den Tierarzt an. Sicher ist sicher.

Nun schien alles ganz schnell zu gehen, das Fohlen war noch nicht einmal eine halbe Stunde alt und stand bereits auf, erste wacklige Schritte, eine besorgte Mutter, die es ableckte. Bei minus 3 Grad und kaltem Wind hätte ich mir die Geburt natürlich im Unterstand gewünscht, aber meine Erfahrung zeigt, daß auf meinem Hof fast alle Fohlen unter freiem Himmel geboren wurden. Nun, der Tierarzt würde schon helfen, die zwei in den Unterstand zu manövrieren - und da stand er auch schon, strahlend und staunend und gratulierte zum großen, kräftigen Stutfohlen. Und prompt wurde er gebraucht: Heliade war nervös, weil das Fohlen die Zitze nicht schnell genug fand, wandte sich dem Fohlen zu - und natürlich verschwand damit das Euter vor der kleinen rosigen Fohlennase. Der Tierarzt stemmte sich also gegen das Hinterbein der Mutterstute - ich schob das neugeborene Stütchen unter den Bauch und schon wurde laut schmatzend die erste Milch getrunken, so schnell hatte noch selten ein Fohlen das Euter gefunden.
geboren am 06.03.2019 - Mutter Heliade / Vater Lancelot

Jetzt aber wurde es schwierig: wir mußten den Rest der Herde aus dem Unterstand und Mutterstute und Fohlen hinein lotsen - ausgerechnet Leni stellte sich quer und wurde vom Tierarzt ordentlich ausgeschimpft. Sie hatte vor 3 Jahren schon einmal "Tante" für Heliades Fohlen Linus gespielt und hatte diese Rolle gerne übernommen. Dazu war es allerdings noch deutlich zu früh. Kaum im Unterstand rubbelten und rieben wir das Fohlen mit Handtüchern und Stroh ab, es war einfach sehr kalt und der Energieverlust bei so kleinen neugeborenen Tierchen ist nicht zu unterschätzen. Aber die Kleine wußte viel besser, was Kraft spendet: schon trank sie wieder warme Muttermilch und nun beruhigte sich auch Heliade. Kälte oder nicht: halbstündlich besuchte ich die beiden, bis ich ganz sicher war, sie über Nacht alleine lassen zu können. Die Erkältung versuchte ich, mit heißem Tee einzuschüchtern, das Fohlen ging natürlich vor.



erster Ausflug nach draußen


Am nächsten Morgen sah die Welt schon wieder anders aus: ein im Unterstand hüpfendes Fohlen, das aber auch sofort an mir interessiert war, eine völlig beruhigte Mutterstute, die sich loben und streicheln ließ. Noch wenige Tage würden sie von der Herde getrennt bleiben, da das Wetter nun wirklich keine Rangkämpfe um den Unterstand zuließ: es goß in Strömen und ich wollte sicher sein, daß die Kleine jederzeit ein Dach über dem Kopf haben würde, wenn es nötig wäre.



Die Krankheit hielt mich noch einige Tage von Höhenflügen ab, dann aber wurde gepackt. Die Pferdemesse in Helsinki stand an und so einiges hielt mich dann doch in Atem. Der per Vorkasse bezahlte Transporter stand auf einmal doch nicht zur Verfügung, die eine Helferin sagte ab, das Packen ging bei weitem nicht so schnell, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber am Ende ist alles gut - und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende. So war es dann auch.

Helsinki Horse Fair 2019 - der Verkaufsstand war wunderschön und ein voller Erfolg
Meine winzige Firma  HobuLove hatte einen wunderschönen, großen Stand auf der Messe und tatsächlich kamen wir mit dem Verkaufen kaum hinterher. Die zuckerfreien Leckerli werden in Finnland hoch geschätzt und auch die berühmten HAAS Bürsten waren wieder sehr gefragt. Alles in allem: eine erfolgreiche Messe, die wieder einmal viel Spaß gemacht hat.

Auf dem Heimweg allerdings spürte ich, welchen Preis ich dafür entrichten würde - die Fohlengeburt mit ihren 5 Stunden bei minus 3 Grad, die immer noch nicht ausgeheilte Erkältung... mehr als eine Woche lang lag ich flach. Alle verfügbaren Hausmittelchen wurden angewendet vom heißen Bad über Inhalieren bis zum Fettwickel, dazu dann literweise ungesüßter Tee. Ich hoffe, dieses Mal mit mehr Erfolg.

die ersten Stare sind da!
.... und wieder eine heimatlose Katze
Denn natürlich geht das Leben auf Hargo Talu weiter! Die ersten Stare singen, die Kraniche tanzen hinten am Wald, die Gänse sind schon durchgezogen und nun endlich ist der Schnee geschmolzen. Langsam, langsam lassen sich erste Frühlingsboten erahnen. Das kleine Stütchen rennt zwischen ihrer Mutter und der Herde hin und her und genießt die ersten Sonnentage. Der bereits vor einigen Wochen erblickte neue Gast hat sich offenbar inzwischen eingelebt - schon wieder wurde eine Katze hier ausgesetzt: eine dunkelgraue Schönheit mit goldgelben Augen, mißtrauisch und scheu.





nun schon 3 Wochen alt, ein Kuscheltier
Für mich heißt es trotz allem erst einmal, die nächste Veranstaltung in Finnland vorzubereiten, dieses Mal geht es 200 km nördlich von Helsinki nach Tampere - dort wartet die größte Pferdemesse Finnlands auf meine Pferde-Leckerli. Wie immer habe ich das Gefühl, noch unglaublich viel packen zu müssen und wie immer habe ich Bedenken, etwas zu vergessen, aber das gehört zu den Messen einfach dazu. Auch wenn die nächsten Tage wirklich anstrengend werden, freue ich auf die Messe.

Samstag, 23. Februar 2019

kleine Telegramm-Nachricht von Hargo Talu

Manchmal hat man einfach einen Verdacht. Spricht ihn nicht einmal aus, aber man beginnt, den Verdacht zu beobachten. Stellt sich vor, wie man reagieren würde, wenn... oder wenn nicht... und als ungeduldiger Mensch brauche ich immer recht schnell Gewißheit. Der arme Tierarzt, der immer wieder von mir angerufen wurde, sich den Verdacht anhören mußte und dem sein voller Terminkalender im Weg stand. Aber heute klappte es endlich. Er kannte Sibiria noch nicht und blieb trotz meiner Ungeduld erst mal mit begeistertem Grinsen stehen und lobte die kleine Stute. Ein Glücksgriff, die hätte er auch sofort genommen. Später besuchte er sie und sie lief ihm sofort nach, ließ sich nicht berühren, aber erstaunt beobachtete ich, wie neugierig und positiv sie dem Gast begegnete.

Leni und Umbra
Dann aber zum Verdacht. Im Vergleich mit der gleichaltrigen Umbra sah Leni einfach seltsam unförmig aus. Sie war ja das erste Alt-Tori Pferd, das in der Tierklinik besamt worden war, bei der Ultraschall-Untersuchung 3 Wochen nach ihrer Rückkehr war nichts zu sehen gewesen. Eigentlich war damit alles klar Aber in den letzten Wochen kam mir dieses Ergebnis seltsam vor. Dieser birnenförmige Bauch,  diese seltsame Ausbuchtung nach einer Seite, dieser krokodilähnliche Appetit - das paßte einfach nicht zusammen.

Schon Minuten später lagen der Tierarzt und ich uns in den Armen und er stammelte "entschuldige, aber..." - ich winkte ab "du siehst doch, wie ich mich freue!!!"

Leni wird also Ende Mai ihr Fohlen erwarten. Und ich bin immer noch überglücklich, den Verdacht aus der Welt geräumt zu haben.

Es wird wohl ein fohlenreiches Jahr werden. Was auch viele durchwachte Nächte, viel Streß, viel Angst um Stute und Nachwuchs bedeuten wird. Aber wenn dann der erste staksige Galopp geübt wird, ist alles vergessen...

Montag, 18. Februar 2019

Blauer Himmel!

Seit dem letzten Lebenszeichen ist nun doch einige Zeit vergangen, der Winter fordert mich jedes Jahr aufs Neue heraus und wenn die Kältegrade dieses Mal auch nicht wagten, unter minus 20 zu fallen, so war es nun eben der Schnee, der beinahe endlos fiel und alles in seinem weichen, weißen Flaum hüllte. Die gesamte Schneehöhe diesen Winter dürfte fast einen Meter betragen, wobei zwischendurch kurze Tauwetter-Zeiten die Einschätzung erschweren. Und die machten meine Arbeit nicht leichter: alles wird spiegelglatt und der Traktor rutscht an der Heurolle vorbei, anstelle sie aufzunehmen. Nun aber scheint der Frühling sich zu nähern, blauer Himmel und die ersten wirklich wärmenden Sonnenstrahlen kündigen ihn an.

Diese Eintragung wird leider nur von wenigen Bildern begleitet sein - meine Kamera ist mit Schnee eindeutig überfordert. Sie kann leider nicht festhalten, wie wunderschön überall Eiskristalle strahlen und glitzern.
Hela, Umbra, Heliade, Leni

Die Pferde sind begeistert von diesem verschneiten, herrlichen Winter. An milderen Tagen liegen sie im Heu, blinzeln in die Sonne und die Entscheidung, Kraftfutter zu wollen, fällt vor allem Hesperide jeden Tag etwas schwerer. Am Ende siegte der Futterneid, sie kam dann doch gähnend und langsam angeschlichen. Die wärmende Sonne bringt nun Bewegung in die Herden, alle scheinen voller Übermut und viel zu schnell für meine Kamera wird getobt, gebuckelt, gerannt.



Heliade - hier beim Schneebaden - wird immer runder und breiter und ich kontrolliere sie jeden Abend mit kritischem Blick, da das genaue Deckdatum nicht bekannt ist. Es steht nur fest, daß spätestens in 2 Monaten... und das ist nicht mehr so lange hin, wie es klingt.


Linus und Helikon im Gegenlicht

Ihr Sohn Linus von Lancelot, nun schon fast 3jährig, wächst zu einem wunderschönen
Hengst heran. Er ist sichtlich überglücklich, nun endlich seinen kleineren Gefährten Helikon zum Spielen und Toben überreden zu können. Nun stiebt der Schnee und die beiden zeigen herrliche Galoppwechsel, es ist einfach wunderschön, ihnen zuzusehen. Leider für meine Kamera ein Problem, aber beim Fressen sind sie ja auch schön anzusehen.



Uteha - zu schnell für meine Kamera


Ausgerechnet meine beiden Ukrainerinnen aber freuen sich unbändig über den Schnee. Uteha tobt mit einer Lebensfreude, die ich der scheuen Stute nicht zugetraut hätte - und Sibirchen bewies mit ihren tollen Bewegungen auch mal wieder, warum ich ausgerechnet dieses seltsame, menschenscheue Tierchen so unbedingt nach Estland holen mußte. Das kleine Stütchen ist noch immer völlig unberührbar, aber inzwischen kommt sie sofort zu mir, wenn ich ihren Unterstand betrete, folgt mir auch problemlos und läßt sich mit Gesten sehr schön dirigieren. Aber jedem direkten Kontakt, jeder Berührung weicht sie blitzschnell aus, offenbar ist Streicheln für sie bedrohlich und dann versucht sie, mich durch Anlegen der Ohren oder sogar Beißen auf Distanz zu halten.

Sibiria, das kleine Sorgenkind
 Mein Füttern aus der Hand war ein guter Anfang, immer wieder auch so, daß ein kurzer Körperkontakt unvermeidlich war. Später kam leichtes Antippen der Nase dazu, mehr ließ sie nicht zu. Mitunter wußte ich nicht mehr, wie es weitergehen sollte, aber kaum sah sie mich, stand sie sofort am Zaun und schien auf mich zu warten. Und dann hätte ich dieses wollige Kuscheltier am liebsten in den Arm genommen...  Trotz allem vermeintlichen Stillstand: irgendwann schien mir ihr Blick ruhiger, ihr Ausweichen ein wenig langsamer zu werden. Gestern die große Überraschung: Sibiria erlaubte mir erstmalig ohne Zurückweichen mehrfach mit dem Finger über ihren Hals streichen. Sie blieb völlig ruhig stehen, wartete ab, bewegte sich nicht. Kein Drohverhalten, keine angelegten Ohren, kein Beißversuch. Sie stand einfach da und ließ es geschehen. Ich konnte es kaum fassen. Wir werden sehen, wie es weitergeht - ihr Mißtrauen kann jederzeit wieder hervorkommen. Aber wir haben etwas erreicht. Für Sekunden. Irgendwann werden wir Minuten daraus machen...

Nun bei eiskalten, klaren, mondhellen Nächten und tagsüber sonnigem Tauwetter wird der Winter von Hargo Talu ein bißchen verabschiedet. Noch immer ist alles weiß und die beachtlichen Schneeberge werden noch lange tauen, die Zufahrt ist spiegelglatt. Aber die Birken scheinen gelblich-rötlich zu schimmern und manches Weidenkätzchen wagt sich schon hervor. Bis zum Frühling wird es hier noch 1-2 Monate dauern. Aber die Vorboten sind schon zu entdecken.



Hargo Talu im Schnee mit Birke und Lebensbaum

Montag, 24. Dezember 2018

Wunderschöne Weihnachtszeit

Wir alle von Hargo Talu wünschen unseren Freunden und Lesern nah und fern, groß und klein wunderschöne und besinnliche Weihnachten!
Die wertvollsten Geschenke kann man nicht kaufen - ich will von ganzem Herzen hoffen, daß alle davon bekommen haben: Gesundheit, Zufriedenheit, Glück und Freundschaft...



Dieses Weihnachtsfest ist für einige meiner Schützlinge ein ganz besonderes:

Hundus Zukunft war ziemlich unsicher, als er im Tierheim aus dem Gehege kletterte und wohl nie richtig engen Kontakt zu Menschen gewöhnt war. Nun kann er hier im Schnee toben, laut bellend der Ziege imponieren wollen, seine geliebten Kauknochen herumtragen und mich beschützen. Er zeigt immer wieder, wie sehr er mich braucht.






Der im Herbst aufgetauchte Kater, der noch immer viel zu viel Angst vor Menschen hat; nur ein einziges Mal konnte ich etwas näher kommen und ihn fotografieren. Wer weiß, wo er hungrig im kalten Winter Unterschlupf gesucht hätte. Nun hat er seinen Schlafplatz im alten, leerstehenden Stall gefunden, natürlich steht dort immer wieder Katzenfutter für ihn bereit.







Und nicht zuletzt das kleine ukrainische Alt-Tori-Stütchen Sibiria: da ihr Besitzer lange Zeit im Krankenhaus bleiben mußte, hat sich nie jemand wirklich mit ihr beschäftigt. Sie lief mit den anderen Pferden mit, wurde versorgt, aber nicht an Menschen gewöhnt. Der Betrieb soll in der nächsten Zeit aufgelöst werden und wer weiß, ob sich wirklich jemand dieses ängstliche Pferdchen gekauft hätte.



Es ist ein wunderbares Gefühl, in diesem Jahr gleich drei neuen Schützlingen Sicherheit und ein Zuhause bieten zu können. Und ich bin mir ganz sicher, sie freuen sich mit mir.

Frohe Weihnachten! Häid Jõule! Merry Christmas!





Dienstag, 11. Dezember 2018

Manchmal passiert einfach viel zu viel...

Am 10.11.2018 kam mein kleiner Hof mit seinen Bewohnern und der Beitrag im estnischen Fernsehen war gelungen, trotz eisigem Wind und Dauerregen. Die ganze Nacht vorher hatte es in Strömen gegossen und trotz der Matsch-Landschaft zeigten die Pferde, daß sie durch nichts aus ihrer Ruhe und Zufriedenheit zu bringen sind und die Filmaufnahmen wurden mit einigen Aufwärmpausen am holzbeheizten Herd richtig gut. Herbst in Estland ist nun eben eine schwierige Jahreszeit, nach so wundervollem Altweibersommer wurde es aber auch Zeit für die wetter-erzwungene langsamere Gangart.
Einige Szenenbilder der Sendung zeige ich hier, die Sendung selbst ist unter diesem Link abrufbar:

https://etv.err.ee/v/elusaated/maahommik/saated/09dcfb6f-f351-4c03-ba6f-2f2ea2db923f/maahommik (letzter Beitrag)













 Hundu hat inzwischen seinen Kragen los und das Spielen und Toben mit der deutlich kleineren und somit auch wendigeren Moritzine ist wieder in vollem Gange. Die beiden müssen mitunter nach draußen komplimentiert werden, wenn es dann doch zu laut wird. Hundu hat inzwischen zugelegt und  nun läßt es sich nicht mehr leugnen: da ist ziemlich viel Rottweiler drin... und das erklärt wohl auch, warum er sehr schnell vom Schmusen zum Warnen übergeht. Er freut sich über jeden Besucher, ist auch mit Fremden anhänglich u
nd verschmust, aber eine für ihn falsche Bewegung oder die Ahnung, der Gast könnte mir zu nahe kommen, wird blitzschnell mit grollendem Knurren bedacht, sogar die Zähne blitzen. Er paßt auf mich auf. Er nimmt seine selbstausgesuchte Aufgabe fast ein wenig zu ernst. Damit muß ich nun erst einmal lernen, umzugehen.





Nach dem plötzlichen Abschied von Anton, verursacht durch einen Aorta-Abriß mußte es ganz schnell weitergehen mit dem echten Leben, das spürte ich. Es mußte weitergehen. Sofort. Jetzt keine Pause.

Antons Tochter im August in der Ukraine
Anton hatte in der Ukraine eine Tochter, die mir schon im Sommer aufgefallen war. Ein ganz typisches kleines Alt-Tori-Pferdchen, ich schätzte sie auf 1,5 Jahre. Dunkelfuchs mit blonder Mähne, breiter Blesse. Allerbeste Abstammung. Auf Anfrage erfuhr ich, daß sie völlig wild sei, Anton damals ungeplant für Nachwuchs gesorgt hatte und so ein Pferd würde man nicht verkaufen. War vielleicht besser so, ich hätte den Zwerg gleich mit aufgeladen, Wildpferd hin oder her.

Ich wußte, was zu tun war. Immer wieder fragte ich an und erfuhr nichts. Weder ob die Kleine noch lebte, verkauft war, überhaupt inzwischen verkäuflich sein würde. Ich wurde immer nervöser, ich wußte, daß der ganze Betrieb Ende des Jahres aufgelöst werden sollte und sie dann beim Schlachter landen würde. Eines Abends der Anruf von Pascha Krugliak, dem besten Transporteur der Ukraine. Ich solle bitte, bitte nicht traurig sein wegen Anton, er verstehe mich, er kümmere sich um das kleine Pferd. Und in 4-5 Tagen hätte er einen Transport, da würde er die Kleine nach Vilnius bringen, ich solle sie dort abholen. Auch der Preis war im Rahmen. In diesem Augenblick kamen trotz Paschas liebem Trost, nicht zu weinen, doch einige Tränen... 


Und dann ging alles ganz schnell, viel zu schnell. Anruf Pascha am Nachmittag des 24.11.2018 - er habe gerade die Kleine aufgeladen und wenn er die Grenze nach Polen passieren würde, melde er sich. Ich solle dann losfahren. Ein Stall hinter Vilnius wäre der Treffpunkt. Und nachts um 23.30 Uhr fuhr ich los. Bei extrem dichtem Nebel geisterte ich mit meinem alten VW Taro und dem ebenso alten Pferdehänger los. Bis Riga kannte ich die Strecke, fuhr manchmal mehr nach Gefühl als auf Sicht, nicht einmal die Schilder waren mehr zu erkennen. Der erste tote Punkt vor Riga, Viertelstunde geschlafen, weiter. Zum Glück war eine Bekannte mitgekommen, sie lotste mich mit ihrem Smartphone um Riga herum Richtung Kaunas. Und plötzlich überholte mich ein riesengroßer polnischer Reisebus. Ich hängte mich an und konnte somit wieder mit höherer Geschwindigkeit fahren, der Busfahrer kannte sich aus. Bei jeder Radaranlage blinkte er links für mich, bei jeder Ampel Warnblinker. 170 km lotste er mich durch den Nebel Richtung Vilnius, dann bog er ab. Wir blinkten und hupten uns noch zu - ich kann meine Dankbarkeit noch immer nicht in Worte fassen. 

Hinter Vilnius kam die Morgendämmerung und damit wurde das Fahren leichter. Nach 540 km trafen wir Paschas Transporter. Sofort wurden die Formalitäten erledigt, die Kleine bezahlt, "Sibiria" hieß sie also, was für ein schöner Name!  Sie war sehr offensichtlich ziemlich überfordert, so ging das Umladen in meinen Hänger erstaunlich schnell und völlig reibungslos. Pascha und ich umarmten uns und nach nur 1 Stunde Aufenthalt ging es zurück. Insgesamt wurden es 17 Stunden Fahrt - mit 3 kleinen Schlafpausen und immer wieder Kontrolle der ängstlichen Sibiria. War es das wert? 


Zu Hause angekommen wurde die kleine Sibira schnell in ihren eingestreuten Unterstand gelotst und erst einmal trank sie, dann ging sie weg. Kontakt mit Menschen war ihr suspekt, ich ließ sie alleine. Sollte sie sich erst einmal von diesem langen Transport ausruhen...
Sibiria ist praktisch ein Wildpferd, bekommt immer wieder extreme Angst. Den Elektrozaun hat sie schon einige Male durchbrochen, inzwischen respektiert sie ihn aber. Durch Kraftfutter und Mineralergänzer wurde ihr strubbeliges Fell schon glatter und glänzender, aber es wird wohl noch sehr, sehr lange dauern, bis sie Berührungen zu schätzen weiß. Manchmal darf ich sie kurz berühren, dann wieder tagelang nicht. Hafer und Karotten aus der Hand nimmt sie trotz aller Angst sehr gerne und sie beobachtet mich inzwischen durchaus interessiert und neugierig. Kaum hört sie mich, steht sie auf ihrem kleinen Paddock und spitzt die Ohren.

was sie wohl zu einer Karotte sagt?
Sibiria ist bestechlich. Der Anfang ist gemacht.
Wer die kleine Sibiria mit einem kleinen Weihnachtsgeschenk überraschen möchte, bitte einfach bei mir melden - sie wird noch Wurmkuren und Impfungen brauchen, auch der Karottenbedarf ist für soe ein kleines Pferdchen erstaunlich hoch. Aber ich bin froh, dieses kleine scheue Wesen geholt zu haben - nur 24 Stunden nachdem sie in Polen eingereist war, schwelte der Konflikt in der Ostukraine wieder auf. Die Grenzen zwischen der Ukraine und der EU wurden für Lebendtiertransporte gesperrt. Sibiria hatte gerade noch Glück gehabt. Paschas schneller Transport hat ihr tatsächlich das Leben gerettet.




(die Bilder wurden kurz nach Sibirias Ankunft gemacht, neue Bilder folgen in Kürze)

Dienstag, 6. November 2018

November-Ruhe auf Hargo Talu

Endlich, endlich ist es soweit: die langen Dämmerungen, die schon am Nachmittag beginnen, die kurzen, trüben Tage, sie sind da.
Bergengruens "Tod von Reval" wird wieder hervorgesucht, er beschreibt den kommenden Winter seiner alten Heimat so treffend:
"Aber dort im Norden, dort oben im Osten, dort oben am Meer, dort wird der schwere kräftige Branntwein getrunken. Dort sind die Dämmerungen zu Hause und die Nebelwolken und Schneegestöber..."

Noch hat es nur kurz und wenig geschneit, nur wenig Schneematsch bedeckte das spärliche Gras, das der viel zu heiße Sommer übrig gelassen hat. Und doch hat damit die Heufütterung auch für die Pferde begonnen, die bisher noch auf ihren riesigen Koppeln satt wurden. Nach einem so ertragsarmen Sommer machen die enorm gestiegenen Heupreise auch mir zu schaffen - obwohl ich soweit möglich vorgesorgt habe.
Schönheiten-Galerie: Hesperide, Hestia, Livia, Luisa 

Hier und da warten noch beeindruckende Mengen an Holz darauf, gehackt, gestapelt zu werden und bei den nicht unerheblichen Umfängen ist es mitunter nicht ganz einfach, sie auf den Holzspalter zu hieven, aber... wie war das mit den Herausforderungen? Eben. Der auf dem Bild ersichtliche Holzberg ist schon verarbeitet und die beiden dahinter werden in den nächsten Tagen ihren Weg in die Scheune finden. Der Muskelkater kann sich sehen lassen, aber es ist die letzte Zeit vor den großen Herbstregengüssen, die genutzt werden möchte.



Der neue Hofbewohner "Hundu" ist nun kastriert und der erste Abend nach der Operation war erwartungsgemäß für ihn sehr schwierig. Stundenlang saß ich auf dem Boden, den großen Kopf auf den Beinen und redete ihm gut zu. Größte Sorgen machte mir der leider notwendige trichterförmige Kragen - unnötigerweise. Hundu fand schnell heraus, daß man damit hervorragend die Pferde erschrecken kann und jagt in erstaunlichen Tempo mit ohrenbetäubendem Gebell quer über den Hof. Natürlich versuchte er, auch die Ziege Milla mit seinem neuen Aussehen zu beeindrucken und rannte siegessicher bellend auf sie zu. Milla blieb völlig ungerührt und zeigte sehr deutlich, daß Hundu in ihren langen Jahren auf Hargo Talu nicht der erste Hund mit Trichter-Kragen ist. Hundu kam Unterstützung suchend auf mich zu - und wenn man genau hinsieht, streckt ihm Milla hinter seinem Rücken die Zunge heraus.
Milla und Hundu
Ziege Milla und Hundu


In der Zwischenzeit hatte der kleine Hof bei eiskaltem Wind und ungemütlichem Nieselregen allerdings wichtigen Besuch. Ein weißer Kleinbus parkte hinter dem Haus und vier Gäste luden sich zu heißem Kräutertee und ersten Lebkuchen ein: das estnische Fernsehen wollte für das Vormittagsfernsehen den Hof und die Pferde drehen. Nach einigen Absprachen ging es hinaus in den ungemütlichen Herbst, der unsere gute Laune allerdings nicht zu trüben vermochte, Regen hin oder her. Zwischendurch fanden wir uns immer wieder am knackenden, knisternden Herdfeuer ein, wärmten kurz die Hände und drehten weiter. Am 10.11. um 10.00 Uhr wird "Maahommik" auf dem estnischen Sender ETV gesendet. Ich hoffe, die Sendung (wenn auch auf estnisch) wird auch im Internet abrufbar sein.